LEXIKON / PRODUKTSICHERHEIT

Nickelfreier Schmuck

Kurz erklärt

Als nickelfrei wird Schmuck bezeichnet, der kein oder nur so wenig Nickel abgibt, dass er die Grenzwerte der EU-Chemikalienverordnung REACH sicher einhält. Entscheidend ist dabei nicht, ob Nickel im Material enthalten ist, sondern wie viel davon bei Hautkontakt freigesetzt wird: die sogenannte Nickellässigkeit.

Warum Nickel bei Schmuck ein Thema ist

Nickel gehört zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Weil Schmuck lange und direkt auf der Haut getragen wird, begrenzt die EU die Menge an Nickel, die ein Schmuckstück abgeben darf. Für Händler und Marken ist das Thema doppelt relevant: als rechtliche Anforderung und als Kaufkriterium, denn viele Kundinnen und Kunden achten gezielt auf nickelfreien Schmuck.

Die Grenzwerte im Überblick

Anwendung Grenzwert der Nickelabgabe
Teile, die in durchstochene Körperstellen eingeführt werden, etwa Ohrstecker 0,2 µg/cm² pro Woche
Schmuck mit direktem und längerem Hautkontakt, etwa Ketten, Armbänder, Ringe 0,5 µg/cm² pro Woche

Die Werte stammen aus Anhang XVII Eintrag 27 der REACH-Verordnung. Gemessen wird die Nickelabgabe nach der Norm EN 1811. Bei beschichteten Teilen muss der Grenzwert auch nach mindestens zwei Jahren normaler Nutzung eingehalten werden; dafür wird der Abrieb vorher nach EN 12472 simuliert.

„Nickelfrei“ ist kein geschützter Begriff

Eine verbindliche Definition für „nickelfrei“ gibt es nicht. Im Handel meint der Begriff meist, dass Schmuck die Grenzwerte deutlich unterschreitet oder dass Nickel nicht als Legierungsbestandteil eingesetzt wird. Wer mit dem Begriff wirbt, sollte das mit Prüfberichten belegen können.

Material und Veredelung

  • 925er Silber wird meist mit Kupfer legiert und enthält dann kein Nickel. Kritisch können Zwischenschichten bei der Veredelung sein.
  • Edelstahl wie 316L enthält Nickel als Legierungsbestandteil. Durch die schützende Passivschicht ist die Abgabe bei geeigneten Güten aber in der Regel gering; Sicherheit schafft eine Prüfung des konkreten Artikels.
  • Messing und andere Basismetalle werden fast immer beschichtet. Hier entscheidet der Schichtaufbau, ob Nickel als Sperrschicht verwendet wird oder ob nickelfreie Alternativen zum Einsatz kommen.
  • Verschlüsse, Ösen und Ohrstecker werden oft separat zugekauft und müssen genauso geprüft werden wie das Schmuckstück selbst.

So handhaben wir das bei Aviano

Als rechtlicher Hersteller unserer Auftragskollektionen legen wir Materialien, Schichtaufbau und Prüfungen vor dem Produktionsstart fest. Ob und mit welchen Nachweisen ein Artikel als nickelfrei ausgelobt werden kann, stimmen wir projektbezogen mit Ihnen ab.

Häufige Fragen

Ist Edelstahlschmuck nickelfrei?

Nicht im Wortsinn, denn viele Edelstahlgüten enthalten Nickel. Für die Hautverträglichkeit zählt aber die Nickelabgabe, und die liegt bei geeigneten Güten meist unter den Grenzwerten. Ein Prüfbericht für den konkreten Artikel gibt Gewissheit.

Gelten die Grenzwerte auch für Modeschmuck?

Ja. Die Grenzwerte gelten unabhängig von Preis und Material für alle Schmuckstücke, die in der EU in Verkehr gebracht werden.

Gelten die Regeln auch für Uhren?

Ja, für Teile mit direktem und längerem Hautkontakt wie Gehäuseboden, Armband und Schließe.

Verwandte Begriffe

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2026

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